Unsere Wege trennten sich also am 01.01.2019 an meinem Auto und ich fuhr nach Hause. In mein Zuhause, in dem ich seit dem 21.12.2018 alleine wohnte. Mein damaliger Partner zog an diesem Tag aus. Endlich. Schon Anfang Dezember 2018 bat ich ihn inständig darum, dass wenn er nicht mehr könnte, doch gehe musste. Tat er nicht. Aber dann. Ich war zu dem Zeitpunkt schon emotional weit von ihm entfernt. Er trichterte mir ein, ich hätte das Problem. Und somit befand ich mich zu diesem Zeitpunkt schon in psychotherapeutischer Behandlung. Ich wollte wirklich wissen, ob ich das oder ein behandlungsbedürftiges Problem habe. Wenn das dein Partner sagt, mit dem du schon seit fast 7 Jahren zusammen bist, kann ja vielleicht etwas dran sein.
Ich werde nie vergessen, wie ich Mitte Dezember ihm stolz präsentierte „Schau mal, ich war da.“ Und seine einzige Aussage dazu war damals nur „Du weißt, dass man dort die Wahrheit sagen muss“. Dieses Gefühl, welches er mir damals mit seiner Aussage auslöste ist für mich bis heute nicht beschreibbar. Ich konnte ihm nichts mehr Recht machen. Von daher war sein Auszug mehr als überfällig. Ich berappelte mich nach dieser Trennung ziemlich schnell.
Aber zurück zum 01.01.2019 – 09:00 eine Nachricht meines Ex-Partners. Er wolle mich sehen. Seine Nachricht laß ich erst nachmittags. Er rief mich an und wir verabredeten uns zu einem Spaziergang. Zwei Stunden liefen wir an der Ruhr entlang, unterhielten uns. Eine Woche lang pflegten wir daraufhin noch Kontakt, trafen uns 1 oder 2 mal. Ich weiß es nicht. Er meldete sich täglich. Bei unserem letzten Treffen wollte ich wissen, was nun Sache ist. Ich hatte keine Lust auf Spielchen und war dafür nicht zu haben. Und es war endlich ein Schlussstrich gezogen.
Am 01.01.2019 suchte ich ihn bei Facebook. Der Klassiker. Wir schrieben uns abends, er hatte Nachtdienst. Bis vor Kurzem hatte ich noch unseren kompletten Gersprächsverlauf. Wir schrieben über unsere Jobs, ein wenig über unsere Interessen, unsere Expartner sowie dem Film „Green Mile“. Ich sagte, ich könne solche Filme nicht schauen. Ich sei dafür zu Nah am Wasser gebaut. Er schrieb daraufhin, dass ein paar Tränen bei so einem Film drin sind und er bei seinem Arbeitskollegen darauf achten müsse, gleich nicht welche zu verlieren. In den 4,5 Jahren hat er nie bei einem Film geweint. In dem 4,5 Jahren wiederholte er regelmäßig „Du weißt doch, ich weine nicht“. – Eine, von vielen Lügen. Er schickte mir einen Screenshot seiner Expartnerin, die ihm zum Geburtstag gratulierte. „Alles Gute“. Hier fiel schon den erste, subtile abfällige Kommentar über sie. Auch ich erzählte, dass mein Expartner sich gemeldet hatte und wir Spazieren waren. Wir schrieben noch sporadisch über Facebook weiter und ich erkundigte mich bei ihm über das Nutzen von Netflix. Ich hatte bis dato keine Ahnung davon. Er bot mir an, seinen Account mitznutzen.
Ich entschied mich Anfang 2019 ein paar Tage bei Facebook zu pausieren und meldete mich ab. Er meldete sich Mitte Januar, mit der Aussage, dass er viel zu tun gehabt hätte und schickte mir seine Netflixdaten.
Der Kontakt hielt sporadisch bis wir in eine gemeinsamen WhatsApp Geburtstagsgruppe hinzugefügt wurden.
Ich musste beruflich für ein paar Tage nach Hamburg und wir uns schrieben uns nahezu täglich. Bis auf einen Tag, da erhielt ich keine Nachrichten, da ich diesen Tag schon als „freien Tag“ bei ihm angekündigt hatte. Der geplante Geburtstag fand im Februar statt. Wir telefonierten bis dahin kein einziges Mal. Zwischen Mitte Januar und dem 09.02. , nach unzähligen WhatsApp Nachrichten trafen wir uns einen Abend spontan bei mir. Es war ein entspannter Abend, ohne Zwang. Wir unterhielten uns über Musik, schauten Youtube Videos und es war ein schöner Abend. Ich war überrascht, wie vielseitig er an Musik interessiert war. Und auch mein vorheriges Bild, er sei irgendwie ganz schön doof, widerlegte er mit Bravur. Auch in den ganzen Nachrichten hatte ich plötzlich das Gefühl, dass er nicht mehr doof sei. Hatte ich ihn 10 Jahre falsch eingeschätzt?
Am 09.02. war es soweit und ich fuhr abermals nach Castrop-Rauxel. Mit dem Taxi sollte es weiter nach Recklinghausen gehen. Ins Pub. Ein schöner Abend mit viel Alkohol. Für mich, auch nach über 2 Jahren das erste Mal wieder Alkohol. Es war schon vorher Abgesprochen, dass ich bei ihm auf der Couch schlafe. Alle anderen Schlafplätze in Castrop waren zu dem Zeitpunkt schon belegt.
In der Nacht, gut angeduselt kamen wir bei ihm Zuhause an. Zwei Biermischgetränke später auf seiner Couch, schlug er vor mit ins Bett zukommen. Gesagt getan. Geknutscht. Gefummelt. Geschlafen.
Wir waren am kommenden Tag noch auf der Family- und Freundesgeburtstagsfeier eingeladen. Ich war ziemlich verkatert. Und irgendwie, ja. Waren wir zusammen. So schnell. Es wurde gar nicht mehr darüber gesprochen. Es war dann einfach so. Er war lieb, zuvorkommend und aufmerksam. Perfekt in dem Moment für mich.