Nun sitze ich hier. An meinem ersten, eigenen Blog. An meiner persönlichen Story. Lange habe ich mit mir gehadert, abgewogen, überlegt, Pläne hingeworfen und wieder aufgenommen. Ich bin nämlich von Natur aus eher schreibfaul. Ja, ich weiß. Etwas verwunderlich, ich gebe in meinem beruflichen Portfolio Autorin an. So ist es in der Tat. Ich bin Autorin, Dozentin und Geschäftsinhaberin. Seit 2016 in der Vollselbständigkeit, habe ein eigenes Unternehmen. Bin beruflich Erfolgreich, habe wundervolle und bedingungslose Freunde und ein sicheres Umfeld. Perfekt? Ja, von Außen betrachtet schon.
Die bittere, aktuelle Wahrheit ist jedoch, dass ich seit 4 Monaten nun knapp arbeitsunfähig bin, mit einer Depression zu kämpfen habe, Medikamente nehme und mich eine komplexe PTBS begleitet. Anfang Sepember 2023 hatte ich einen kompletten Zusammenbruch. Ich war glücklicherweise in der Lage mir direkt Hilfe holen zu können und bin seitdem u.a. in psychotherapeutischer Behandlung. Meine Freunde, mein Fachwissen sowie meine finanziellen Möglichkeiten ermöglichten mir, so schnell handlungsfähig zu sein.
Aber – Wie konnte das nur passieren?
Dafür muss ich zurück blättern. Ins Jahr 2018.
2018 trennten mein damaliger Partner und ich uns knapp 7 Jahren. Er zog aus, ich saß alleine im Haus mit meinen zwei Katzen. Eine klitzekleine Trauerphase gab es, aber tatsäcmlich nicht erwähnenswert. Ich hatte mich emotional schon weit von meinem damaligen Partner entfernt. Er tat mir am Ende der Beiziehung nicht mehr gut. Rückblickend und mit meinem Wissen jetzt betachtet, hatte auch diese Beziehung viele toxische Anteile. Die Trennung sowie die Gespräche danach verliefen ruhig und es artete in keinem Rosenkrieg aus.
Den Jahreswechsel hatten wir gemeinsam bei Freunden geplant. Ich plante um, er wollte bei unseren Freunden Silvester verbringen und ich verbrachte somit meinen Jahreswechsel bei Freunden in der Nachbarstadt. Ich hatte mich recht kurzfristig dazu entschlossen, sodass ich erst gegen 22 Uhr dort aufschlug.
Da ich mit dem Auto gefahren bin, verzichtete ich auf Alkohol. Ich muss dazu noch ergänzen, dass ich zu diesem Zeitpunkt ca. 2 Jahre keinen Tropfen mehr getrunken habe. Kein Interesse, keine Lust. Alkohol gab und gibt mir auch heute so gar nichts! Außer die Beobachtung, wie sehr sich Menschen unter Alkohol verändern konnten.
Und da saß er nun auch. Wir „kannten“ uns schon vorher. Vom Sehen, ca. 10 Jahre. Wirklich leiden konnte ich ihn nie. Laut, betrunken, vulgär, jedoch optisch ansprechend. Das Bild hatte ich von ihm Kopf. Aber nicht nur von ihm, sondern auch von der Truppe um ihn herum. Diese Truppe gab es aber so nicht mehr. Was mich ehrlich gesagt auch nicht sonderlich störte. Ich hatte weder einen Draht, noch Interesse daran diese Menschen damals näher kennenzulernen. Sie mich aber auch nicht. Bis auf zwei Geburtstage im Jahr gab es auch keine großartigen Berührungspunkte.
Und so geschah es, er und ich kamen das erste Mal ins Gespräch. Ich weiß noch, wie ich dachte „ach guck mal, der ist gar nicht so dumm“. Je später der Abend, desto voller wurden auch die Gäste. Er natürlich auch. Aß seinen Geburtstagskuchen irgendwann mit den Händen, aber ganz ehrlich – Überrascht war ich nicht. Ich wusste, dass er lange keinen Alkohol getrunken hatte und gerade auch frisch getrennt war inkl. Auszug aus der Wohnung. Rundum betrachtet war es ein schöner Abend, abgesehen von der mehrfachen sexuellen Belästidung eines Nachbarn. Diese macht mir heute noch zu Schaffen und ich hätte ihn damals Anzeigen müssen. Aber ich traute mich nicht. War ja die „Neue“. Und wollte nicht direkt negativ aufallen. Er war für sein Verhalten wohl schon bekannt und wurde an dem Abend mehr oder weniger belächelt. Im Nachgang war dies im Kreis nochmal Thema, ich war jedoch nicht dabei. Rückblickend betrachtet schon ein schwieriger Einstieg in einen neuen Kreis für mich. Bin ich doch aufgefallen, obwohl ich nicht wollte.
Schaut man sich heute Fotos von der Silvesterparty an, gibt es kein Bild, auf dem er und ich nicht zusammen sind. Er brachte mich dann morgens um fünf noch freundlicher Weise zum Auto und unsere Wege trennten uns.